Flugzeugabsturz Phuket: Filmteam begleitet Überlebende

Was der Österreicher Marcel Squinobal und sein Deutscher Lebenspartner Christoph Falchetti erlebt haben, haben nur wenige Menschen überlebt: Einen Flugzeugabsturz. Es sollte eigentlich ein Traumurlaub in Thailand werden, doch geblieben sind Alpträume, die die beiden bis heute plagen.

Über den Flughafen von Phuket zog am 16. September 2007 ein Unwetter mit starken Regenfällen und heftigen Windböen. Die Sicht war schlecht, als die in Bangkok gestartete Maschine mit der Flugnummer OG269 um 15.35 Uhr Ortszeit zur Landung ansetzte. Die Maschine der Billigfluglinie One-Two-Go mit 130 Menschen an Bord schoss nach einem missglückten Durchstartemanöver über die Landebahn hinaus, bohrte sich mit dem Cockpit in einen Erdwall, zerbrach und fing sofort Feuer. 88 Menschen kamen bei der Bruchlandung ums Leben. Wie durch ein Wunder konnten sich fast 42 Menschen, darunter Marcel und Christoph, aus dem brennenden Wrack retten.

Marcel Squinobal und Christoph Falchetti gedenken der Absturzopfer

Marcel Squinobal und Christoph Falchetti gedenken der Absturzopfer

Auch zwei Jahre nach Bruchlandung auf der Ferieninsel Phuket können die beiden ohne Beruhigungsmittel nicht einschlafen und noch immer sitzt ihnen die Todesangst im Nacken, wenn sie an den 16. September 2007 zurückdenken. Trotzdem haben sie es gewagt, dorthin zurückzukehren, wo das Unglück passierte. „Wir fühlten uns verpflichtet, nochmals hierher zu kommen und all denen zu gedenken, die hier gestorben sind“, sagt der Vorarleberger Squinobal.

Mediawok hat die beiden auf ihrer schwierigen Reise begleitet und ist mit ihnen zum 2. Gedenktag nach Phuket geflogen, wo das Wrack der Unglücksmaschine noch immer am Pistenrand liegt. Es war eine Reise in eine Welt von Tod und Tränen aber auch eine Reise, die den beiden hilft mit dem Erlebten besser abzuschließen.

Marcel Squinobal und Christoph Falchetti beantworten Fragen von Reporter Pascal Nufer

Marcel Squinobal und Christoph Falchetti beantworten Fragen von Reporter Pascal Nufer

Seezigeuner in Thailand – Heimatland Meer

Fahrt zu den Surin-Inseln, 80 Kilometer vor der Westküste Thailands. Hier leben die Seezigeuner, Moken genannt – eines der letzten echten Naturvölker der Welt.

Die Moken leben in Ihren Hausbooten auf dem Indischen Ozean und nur während der Regenzeit suchen sie Schutz auf den Surin Inseln.

Die Hausboote der Moken

Die Hausboote der Moken

Ihr wahres Zuhause ist das Meer und deshalb ist das Leben der Moken auch so außergewöhnlich.

  • Sie kennen das Meer so gut, dass sie den Tsunami voraussahen.
  • Moken können unter Wasser ohne Taucherbrille scharf sehen.
  • Und weil sie ständig mit ihren Booten auf dem Indischen Ozean unterwegs sind, hat ihr Eheleben ganz besondere Regeln

Als am 26. Dezember 2004 der Tsunami Thailand traf wurde auch das Stelzendorf der Moken komplett zerstört. Die junge Moken-Frau Pen zeigt uns vom Boot aus einen leeren Strand:

„Hier stand unser Dorf. Zwanzig Hütten in drei Reihen. Die vorderen standen im Wasser. Da kann man noch die Pfähle sehen. Die Welle hat nichts übrig gelassen.“

Als die Welle das Dorf traf, waren die Seezigeuner aber alle schon längst nicht mehr in ihren Hütten, sondern in Sicherheit oben auf dem Berg.

Pa Thong ist einer der Alten, wie alt genau, weiß er selber nicht. Ihm hat der Stamm der Moken das Überleben zu verdanken.

Pa Thong

Pa Thong

„Ich fahr zwar nicht mehr fischen, dazu bin ich schon zu alt. Aber ich kenne das Meer. Als ich gesehen habe, dass das Wasser verschwindet, hab ich allen gesagt, wir müssen jetzt rauf auf den Berg. Von oben haben wir dann drei große Wellen gesehen, die unser Dorf komplett zerstört haben.“

200 Moken wohnen momentan in dieser kleinen provisorisch neu gebauten Siedlung. Eigentlich sind sie Halbnomaden. Mit ihren Booten fahren sie über die Andamanensee,  bis Burma hoch und runter nach Indonesien – Tausende Quadratkilometer Raum.

Das Dorf der Moken auf Koh Surin

Das Dorf der Moken auf Koh Surin

Vor einigen Jahren entdeckte die schwedische Wissenschaftlerin Anna Gislen ein Phänomen. Mit den Kindern der Seenomaden tauchte sie um die Korallen. Die Kinder hatten ihren Spaß; immer wieder stießen sie hinab, zielgenau, brachten Kiesel vom Grund. Erst an Land merkte sie, was die Steinchen wirklich waren: winzige Muscheln! Wie hatten die Kinder das erkennen können?

Das menschliche Auge funktioniert normalerweise nur über Wasser, unter Wasser verliert es zwei Drittel seiner Sehfähigkeit.

Das liegt daran, dass unter Wasser das Licht gedämpfter ist. Normalerweise vergrößern sich deshalb die Pupillen automatisch.

Die Mokenkinder können aber ihre Pupille verkleinern: Wie bei einer Kamera, deren Blendenwert klein gestellt ist, erhöhen sich Tiefenschärfe und Auflösung. Bei den Mokenkindern in extremer Weise. 1,96 Millimeter – so ein kleiner Pupillenwert ist bislang für unmöglich gehalten worden.

 

Zwei bis drei Moken-Familien teilen sich solch ein Boot und leben von dem, was ihnen das Meer gibt. Fische, Muscheln und Seegurken.

Nur der Monsun treibt sie jedes Jahr nach Surin, dort bieten ihnen die Hütten Schutz vor Regen und Wind. Salama ist der Häuptling der Moken:

„Während der Regenzeit können wir nur hier in der Bucht fischen. Da gibt es nur kleine Fische oder wir setzen uns mit einer Angel da hinten auf die Felsen!“

Seine Frau Mi Sia webt während der Regenzeit Strohmatten und erklärt ein bisschen das Leben der Moken, die zum Beispiel keinerlei Zeitgefühl haben.

„Ich habe keine Ahnung wie alt ich bin, meine Eltern konnten mir das auch nicht sagen. Das ist mit den Kindern heute auch so. Wir können sagen ob sie tagsüber oder nachts geboren wurden, aber so etwas wie Wochentage, Monate und Jahre wissen wir nicht.“

Unser Kamerateam auf koh Surin

Unser Kamerateam auf Koh Surin

Mi Sia selbst hat neun Kinder und ihren Mann hat sie kennen gelernt, als das Boot ihrer Eltern zufällig dem Boot seiner Eltern begegnete. Seit dem ist er immer wieder zu ihr zurückgekommen, was bei den Moken nicht selbstverständlich ist.

„Wenn ein Mann zum Fischen raus fährt, sagt er seiner Frau wie lange er weg bleibt, also zum Beispiel 2 oder 3 Tage. Wenn er dann aber zum verabredeten Zeitpunkt nicht zurückkommt, muss die Frau 7 Tage auf ihn warten. Die anderen Männer fahren dann raus und suchen nach ihm, aber sie bleibt ihm Dorf. Und wenn er nach sieben Tagen noch immer nicht aufgetaucht ist, braucht sie nicht mehr auf ihn warten, dann kann sie sich einen Neuen suchen.“

Der Tsunami hat nicht nur das alte Moken Dorf, sondern auch viele der Hausboote zerstört. Die Seezigeuner nutzen die Regenzeit, um neue Boote zu bauen und warten darauf wieder zurückkehren zu können – nach hause aufs Meer.